|
Das Straßentheater Invisibles wird im Jahr 2010 überwiegend in den Berliner Bezirken Tempelhof-Schöneberg sowie Reinickendorf spielen. Zum ersten Mal werden wir zwei Schulen besuchen. Das Stück thematisiert die prekäre Arbeits- und Lebenssituation von Menschen ohne Papiere und ihre Ausbeutung in unserer Gesellschaft.
Im Zentrum der Präsentation steht ein selbst gebauter und selbst bemalter Container, der sich zu einem Bühnenbild verwandeln lässt. Anfangs ist nur der rollende Container zu sehen, dann tauchen vereinzelt Arme und Beine auf. Später verlassen die Invisibles den Container, verwandeln seine Panelen zu einem Bühnenbild und agieren wie Comicfiguren: Sie tragen ein einheitliches Basiskostüm sowie einen bemalten Wäschesack als Maske und hantieren vor dem Bühnenbild mit dreidimensionalen Requisiten, die sie als Putzfrau, Babysitter, Malergehilfe, Küchenhilfe, Schuhputzer, Prostituierte usw. identifizieren. Das ca. 10-minütige Stück endet mit einem Zitat aus Brecht's Flüchtlingsgesprächen und der Demaskierung der Schauspieler. Sie nennen ihre Namen und nehmen die Zuschauer mit in den Container, wo sie ihren "Pass" zeigen: es ist das Zeugnis ihrer Lebens- und Fluchtgeschichte.
In Deutschland leben etwa 500.000 bis eine Million Menschen ohne gültige Papiere, genaue Zahlen kennt keiner. Es sind Menschen, die eigentlich gar nicht da sind, Unsichtbare, die alles dafür tun, nicht aufzufallen. Sie fahren nie schwarz, sie gehen nur bei grün über die Ampel und sie beschweren sich nie, denn sie müssen sich so verhalten als gäbe es sie nicht. Geraten sie in eine Polizeikontrolle, müssen sie das Land verlassen. Fast jeder begegnet den Unsichtbaren - im Bus, im Supermarkt, auf dem Spielplatz. Fast niemand weiß aber über deren Situation Bescheid, weil in Deutschland über die Unsichtbaren nicht gesprochen wird. Es gibt sie nicht, weil es sie nicht geben darf. Ohne medizinische Versorgung und ohne Anspruch auf rechtlichen Beistand, werden sie oft Opfer von Straftätern, arbeiten in Ausbeutungsverhältnissen, wohnen in menschenunwürdigen Behausungen und können ihre Kinder nicht angstfrei zur Schule schicken, denn sie könnten abgeholt werden. In anderen europäischen Ländern wie Frankreich und Spanien gibt es immer wieder Legalisierungsangebote für die Unsichtbaren. In Belgien, Italien und Skandinavien wird über die Situation und den Umgang mit Menschen ohne Papiere diskutiert und nach Lösungen gesucht. Wir möchten in Deutschland diese Diskussion in kreativer Weise befördern und mit unserem Straßentheater dazu beitragen, dass die Invisibles zum öffentlichen Thema werden.
Mehr Informationen zum Thema „Menschen ohne Papiere“ sowie Hilfsangebote für Betroffene findet ihr HIER...
|